Liebe Mitmenschen, hier etwas über Trauer, Trauerarbeit und den Umgang mit uns Trauernden.
Über die Trauer...
Trauern ist normal, und notwendig.
Trauer lässt sich nicht zeitlich eingrenzen, sie ist individuell. Es kan ein, zwei oder mehrere Jahre dauern, es gibt keine festgelegten "Trauerzeiten" . Trauer kommt und geht in Wellen.
Eltern, die einen Schwangerschaftsverlust erleiden, sehen sich mit den Problemen konfrontiert, dass 1. der Verlust vom Umfeld abgewertet wird, 2. der Verlust ein Tabuthema ist, 3. keiner sonst das Baby kennt und somit für die anderen nicht real ist, 4. man keine Erinnerungen hat, die man mit anderen teilen kann und 5. man sich dadurch isoliert fühlt.
Der einzige Weg, über die Trauer hinwegzukommen ist geradewegs durch die Trauer durch.
Trauernde sollten das Erlebte immer wieder erzählen dürfen, das ist sehr wichtig für die Verarbeitung.
Wichtig: trauernde Eltern haben einerseits eine Geburt (oder med. Eingriff) und gleichzeitig eine Berührung mit dem Tod hinter sich.
Der Tod eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder auch danach ist für alle ein unbegreifliches Ereignis. Es bewirkt Hilflosigkeit und Sprachlosigkeit, was im ersten Moment völlig normal ist. Es darf aber nicht dazu führen, dass Ihr Euch von den trauernden Eltern zurückzieht, denn das ist wirklich sehr verletzend.
Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist mit Sterneneltern über deren Situation und das verstorbene Kind zu sprechen, es fehlen eben die Worte, aber glaubt mir, die fehlen oft auch den Betroffenen selbst.
Vielleicht habt Ihr auch Angst zu verletzen, wo Ihr eigentlich trösten wolltet. Auch wenn es schwer ist - genau das ist es, was wir brauchen! Jemanden, mit dem wir reden können und der uns zuhört, wenn wir über unser Kind erzählen wollen. Und das müssen wir! Es ist unser Kind! Es ist völlig normal, Eltern nach ihren Kindern zu befragen. Wie alt ist es denn jetzt? Kann es schon laufen? Und die Eltern erzählen voller Stolz von ihrem Nachwuchs... Genau das möchten wir auch! Mögen sie auch nicht für jeden sichtbar gewesen sein, mögen sie auch nur ganz kleine Spuren hinterlassen haben - für uns sind unsere Sternenkinder real und bleiben es unser Leben lang. Wir sind stolz auf sie und möchten das auch gerne zeigen! Warum fragt uns niemand nach dem Geschlecht unseres Kindes? Nach seinem Namen? Oder wie es ausgesehen hat? Habt keine Angst, uns danach zu fragen! Ihr könnt keine Wunde aufreißen - sie brennt sowieso immer. Habt keine Angst vor unseren Tränen, oder vor Euren! Sie sind heilsam und müssen geweint werden.
Nichts ist schlimmer als das Schweigen; als so zu tun, als wäre nichts geschehen...dies macht uns traurig und lässt unser Baby ein zweites Mal sterben.
Ich kann verstehen, dass es für Euch schwer ist, mit uns umzugehen... Wir sehnen uns nach Hilfe und Verständnis, können aber eine ausgestreckte Hand vielleicht nicht sofort ergreifen...habt bitte Geduld - wir werden es tun, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Möglicherweise fehlen Euch auch die richtigen Worte...hier sind ein paar Hinweise, was Ihr sagen oder tun könntet, um uns zu helfen - und was Ihr bitte nicht sagen solltet.
Praktische Tipps für den Umgang mit trauernden Eltern:
- Auf den Verlust angesprochen zu werden, ist oftmals viel besser, als das Thema auszuklammern. Nicht darüber zu sprechen vermittelt den Eltern das Gefühl von mangelnder - Anteilnahme, und das tut viel mehr weh.
- Das Baby "kennen lernen" - den Eltern Gelegenheit geben, über ihr Kind zu sprechen, evtl. Fotos anschauen, dem Kind einen Platz in der Familie / Gemeinschaft geben.
- Weinen ist heilsam für die Seele. Wenn trauernde Eltern weinen, weil man nach ihrem Kind fragt, ist das nicht, weil man sie verletzt hat - wir weinen, weil wir unser Kind vermissen. Und wir sind dankbar, über unser Kind sprechen zu dürfen.
- In den Arm nehmen, hilft oft mehr als Worte.
- Zuhören! Hilft auch oft mehr, als reden.
- Das Kind namentlich erwähnen! Nicht von der "Fehlgeburt" oder "Totgeburt" sprechen!
- den trauernden Papa nicht vergessen! - Auch wenn wir uns wiederholen - hört uns bitte zu. Unsere Geschichte ist nur kurz, aber uns ist sie enorm wichtig und wir müssen sie immer wieder erzählen. Wir haben leider nichts Neues zu berichten... - Denkt daran, dass die Zeit diese Wunde NICHT heilt. Wir werden immer an unser Kind denken.
- Vergesst bitte die Gedenktage nicht - Geburtstag, Todestag, geplanter Entbindungstermin
- Nehmt uns einfach, wie wir momentan sind. Wir werden NIE MEHR die gleichen Menschen sein, wie vorher.
Passende Sätze:
- Es tut mir so leid, was euch passiert ist.
- Das muss schrecklich für euch sein.
- Ich bin für dich da.
- Ich höre dir zu.
- Ich habe mich gefragt, wie es euch geht.
- Ich denke an dich.
- Möchtest du mir von deinem Baby erzählen?
- Kann ich etwas für dich tun?
- Lass dir Zeit.
Was wehtut:
- Einfach alles ignorieren, sich verhalten, als ob nichts passiert ist.
- Herunterspielen der Ereignisse.
- Gefühle und Verhalten von trauernden Eltern be- oder gar verurteilen.
- Verlangen, dass es ihnen doch jetzt endlich mal besser gehen soll.
- Empfehlen, am Besten alles so schnell wie möglich zu vergessen / verdrängen.
- Abschirmen von der Außenwelt, Informationen vorenthalten, um die Eltern zu schonen.
- Einfach Babysachen wegräumen, ohne zu fragen.
- Das Thema aus Gesprächen ausklammern.
Diese Sätze bitte vermeiden...
- Es war doch noch gar kein richtiges Kind.
- Sei froh, jetzt weißt du, dass du schwanger werden kannst!
- Ihr seid doch noch jung und Ihr könnt ja noch andere Kinder haben.
(Mag sein, aber diese Kind fehlt uns immer!)
- Zum Glück hast du schon ein Kind!
- Besser jetzt als später.
- Gott sei Dank hast du das Kind noch nicht gekannt.
- Es hat doch noch gar nicht richtig gelebt.
- Es war doch noch gar nicht auf der Welt.
- Ein größeres Kind zu verlieren, ist viel schlimmer.
- Sei froh, vielleicht war es besser so (bei Behinderungen).
- Dein Kind wäre doch nicht normal gewesen.
- Es war besser so.
- Es war Gottes Wille.
- Sei froh, dass du überlebt hast.
- Zum Vater: Du musst jetzt stark sein für deine Frau.
- Ich weiß, wie es euch geht (außer man weiß es aufgrund eines eigenen Verlustes wirklich!)
- Bitte weine nicht. - Wer weiß, wozu es gut gewesen ist. (Mein Baby ist gestorben! Wozu soll das gut sein?) - Du musst versuchen, es zu vergessen. (Unmöglich! Niemals!) - Bald bist du wieder schwnager, und dann ist alles gut.
Die obenstehenden Sätze sind für trauernde Eltern ein Schlag ins Gesicht. Sie werten den Verlust des Kindes ab und geben das Gefühl, dass das Kind nicht als solches anerkannt wird. Auch Ausführungen über die Schwägerin der Nachbarin, der etwas viiiiel Schlimmeres passiert ist, helfen nicht weiter.
Für Eltern ist nichts schlimmer, als ihr Kind zu verlieren.
Hier ein sehr schönes Gedicht zum Thema, welches mir aus dem Herzen spricht:
Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an!
Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos.
Die Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.
Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.
Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann.
Drängt uns nicht, so zu sein wie früher, wir können es nicht.
Denkt daran, dass wir in Wandlung begriffen sind.
Lasst Euch sagen, dass wir uns selbst fremd sind. Habt Geduld!
Wir wissen, dass wir Bitteres in Eure Zufriedenheit streuen,
dass Euer Lachen ersterben kann, wenn Ihr unser Erschrecken seht,
dass wir Euch mit Leid konfrontieren, das Ihr vermeiden möchtet.
Wenn wir Eure Kinder sehen, leiden wir.
Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen.
Wir haben die Sicherheit verloren, in der Ihr noch lebt.
Ihr haltet uns entgegen: Auch wir haben Kummer!
Doch wenn wir Euch fragen, ob Ihr unser Schicksal tragen möchtet, erschreckt Ihr.
Aber verzeiht: Unser Leid ist so übermächtig, dass wir oft vergessen,
dass es viele Arten von Schmerz gibt.
Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammeln können.
Unsere Kinder begleiten uns. Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen.
Wir hören Euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.
Nehmt es an, wenn wir von unseren Kindern und unserer Trauer zu sprechen beginnen,
wir tun nur das, was in uns drängt.
Wenn wir Eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam.
Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor Euch.
Teilt mit uns den Glauben an sie. Noch mehr wie früher sind sie ein Teil von uns.
Wenn Ihr unsere Kinder verletzt, verletzt Ihr uns.
Mag sein, dass wir sie vollendeter machen, als sie es waren,
aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.
Zerstört nicht unser Bild! Glaubt uns, wir brauchen es so.
Versucht, Euch in uns einzufühlen. Glaubt daran, dass unsere Belastbarkeit wächst.
Glaubt daran, dass wir eines Tages mit neuem Selbstverständnis leben werden.
Euer "Zu-trauen" stärkt uns auf diesem Weg.
Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen,
werden wir Euch freier begegnen.
Jetzt zwingt uns nicht mit Wort und Blick, unser Unglück zu leugnen.
Wir brauchen Eure Annahme.
Vergesst nicht: wir müssen so vieles von neuem lernen,
unsere Trauer hat unser Sehen und Fühlen verändert.
Bleibt an unserer Seite!
Lernt von uns für Euer eigenes Leben!